mercredi 31 décembre 2025

Schutzschrift für Raymond Sebond - Montaigne


 










Apologie des Raimond Sebond

Schutzschrift für Raimond von Sebonde [1]

Montaigne, Essais II, 12 - Apologie de Raymond Sebond, trad. Tietz, 1753.

492 *

Die Wissenschaft ist in der Tat ein sehr nützliches und wichtiges Stück. Diejenigen, welche sie verachten, geben ihre Dummheit genugsam zu erkennen. Dennoch aber schätze ich sie nicht so übermäßig hoch, als einige tun, unter welche der Philosoph Herill 2 gehört, der das höchste Gut in ihr suchte, und behauptete, sie könnte uns weise und vergnügt machen. Ich glaube dieses eben so wenig, als das, was andere gesagt haben, daß die Wissenschaft die Mutter aller Tugenden sei, und daß alle Laster von der Unwissenheit herkämen. Wenn dieses wahr ist: so braucht es einer weitläuftigen Erklärung.

Mein Haus ist seit langer Zeit gelehrten Leuten offen, und deswegen im Rufe gewesen. Denn mein Vater, der dasselbe fünfzig Jahre und drüber regieret hat, und durch den neuen Eifer angefeuret wurde, mit welchem sich der König Franciscus I. der Wissenschaften annahm, und sie in Ansehen brachte, suchte gelehrter Leute Umgang sehr emsig und mit großen Kosten. Er nahm sie als heilige Leute, die eine besondere Eingebung von der göttlichen Weisheit hätten, zu sich, sammlete ihre Urteile und Reden, wie Göttersprüche, und dieses desto ehrerbietiger und eifriger, je weniger er davon urteilen konnte: Denn er hatte, so wenig als seine Vorfahren einige Kenntniß von den Wissenschaften. Ich meines Teils liebe sie zwar, ich bete sie aber nicht an. Unter andern beschenkte ihn einmal Peter Bunel, ein Mann, der zu seiner Zeit wegen seiner Gelehrsamkeit in großem Rufe stand, als er sich nebst andern seines gleichen, einige Tage bey meinem Vater zu Montagne aufgehalten hatte, bey seinem Abschiede mit einem Buche, welches den Titel hat: Theologia naturalis; sive, Liber creaturarum Magistri Raimondi de Sebonde. Weil die Italienische und Spanische Sprache meinem Vater geläufig waren, und dieses Buch in einem gebrochenen Spanischen mit Lateinischen Endungen geschrieben ist: so hofte er, daß sich mein Vater dasselbe mit ganz geringer Beyhülfe zu Nutzen machen könnte, und empfahl es ihm als ein bei den damaligen Zeitläuften, sehr nützliches und nötiges Buch. Damals fiengen eben Luthers Neuerungen in Ansehen zu kommen, und an vielen Orten unsern alten Glauben wankend zu machen, an. Er hatte also dabey eine sehr gute Absicht, weil er aus vernünftigen Gründen wohl voraus sahe, daß dieses Uebel mit der Zeit leichtlich in eine abscheuliche Gottesläugnung ausschlagen könnte. Denn der Pöbel ist nicht fähig, die Sachen nach ihrer wahren Beschaffenheit zu beurteilen; sondern läßt sich durch das Glück und den äußerlichen Schein dahinreissen. Wenn man ihm also nur einmal die Freiheit verstattet, diejenigen Meinungen, vor welche er sonst die größte Ehrfurcht gehabt hat, dergleichen diejenigen sind, auf welchen seine Seligkeit beruhet, zu verachten und zu tadeln; und wenn man nur einmal einige von seinen Glaubensartikeln zweifelhaft und streitig gemachet hat: so siehet er gar bald alle übrige Stücke seines Glaubens für eben so ungewiß an; weil sie eben so wenig Gewicht, und eben so wenig Grund, bey ihm haben, als diejenigen, die [4] man wankend gemachet hat. Er wirft alle Eindrücke, welche das Ansehen der Gesetze, oder die Ehrerbietung für die alten Gebräuche bey ihm gemacht hatten, als ein tyrannisches Joch von sich:

Nam cupide conculcatur nimis ante metutum.  - Lucrèce 

­↑1 1589: Raimond Sebond ; 1611: Raymond Sebon.
­2 Diog. Laert. L. VII. Segm. 165.
­3 Denn, man tritt dasjenige mit Lust unter die Füsse, was man vorher am meisten gefürchtet hat. Lucretius L. V. v. 1139.

 493

Er geht alsdenn gleich weiter, und will gar nichts mehr annehmen, wenn er nicht seinen Bescheid und seine Stimme dazu gegeben hat. Mein Vater fand gedachtes Buch etliche Tage vor seinem Tode ungefähr unter einem Haufen anderer bey Seite gelegten Papiere, und befahl mir ihm dasselbe ins Französische zu übersetzen. Schriftsteller wie dieser, bey denen man, nichts als den Innhalt auszudrucken hat, sind sehr gut zu übersetzen: hingegen ist es ein sehr gefährliches Unternehmen, wenn sie sich der Annehmlichkeit und Zierlichkeit der Sprache sehr befleißiget haben, besonders, wenn man sie in eine schwächere Sprache bringen soll. Diese Beschäftigung war mir etwas Ungewohntes und neues: allein, zu gutem Glücke hatte ich damals nichts zu thun, und machte es, weil ich dem besten Vater, der jemals gewesen ist, nichts abschlagen konnte; so gut es mir möglich war. Er schöpfte hierüber ein besonderes Vergnügen, und befahl, daß man es drucken lassen sollte; welches auch nach seinem Tode vollzogen wurde.4

 ↑4  Die 1611 herausgekommene Auflage hat folgenden Titel : La Theologie Naturelle de Raymond Sebon: Traduite en François par Messire Michel, Seigneur de Montaigne, Chevalier de l'Ordre du Roy & Gentilhomme ordinaire de sa Chambre. Derniere Edition reveüe & corrigée. Sie ist in der That sehr richtig. Es herrschet in der Uebersetzung so viel Kernigkeit, Stärke, und natürliche Lebhaftigkeit, daß sie vollkommen einem Originale gleicht.

494

Ich fand die Gedanken dieses Schriftstellers schön, in dem Werke selbst einen guten Zusammenhang, und das Unternehmen voll Gottesfurcht. Da sich viele Leute, und besonders das Frauenzimmer, dem wir am meisten zu dienen verbunden sind, mit dem Lesen dieses Buches beschäftigen: so habe ich öfters Gelegenheit gehabt, ihnen zu Hülfe zu kommen, und ihr Buch wider zween Haupteinwürfe, die man dagegen macht, zu vertheydigen. Der Endzweck desselben ist kühn und herzhaft. Der Verfasser unterstehet sich alle Artikel der christlichen Religion durch menschliche und natürliche Gründe wider die Atheisten zu bestättigen und fest zu setzen. Er thut dieses auch die Wahrheit zu sagen, so stattlich und so glücklich, daß es, meines Erachtens in diesem Stücke nicht besser gemacht werden kann: ja, ich glaube, daß es ihm niemand gleich gethan hat.5 Dieses Werk kam mir für einen Verfasser, dessen Name so wenig bekannt ist, und von dem wir bloß so viel wissen, daß er ein Spanier gewesen, und ungefähr vor zwei hundert Jahren zu Toulouse die Arzneykunst getrieben hat, allzu schön und gelehrt für. Ich erkundigte mich daher einmal bey dem Adrian Turnebus, der alles wußte, was es mit diesem Buche für eine Beschaffenheit hätte. Er antwortete mir, seiner Meynung nach wäre es eine Quintessenz aus dem H. Thomas von Aquino. Denn, in der That dieser mit einer so unendlichen Gelehrsamkeit, und wundernswürdigen Tiefsinnigkeit begabte Geist war allein zu dergleichen Gedanken fähig. So viel ist gewiß, daß der Verfasser und Erfinder, er sey wer er wolle, (indessen kann man dem Sebonde dieses Werk ohne eine wichtigere Ursache nicht mit Grunde absprechen), ein überaus geschickter Mann gewesen ist, und viele trefliche Eigenschaften besessen hat.

Der erste Vorwurf, den man seinem Werke macht, ist dieser, die Christen thäten sich selbst Schaden, wenn sie ihre Religion durch menschliche Gründe unterstützen wollten, weil diese allein durch den Glauben und durch einen besondern Beystand der göttlichen Gnade begriffen würde. Dieser Einwurf scheinet von einem heiligen Eyfer her zu kommen. Aus dieser Ursache müssen wir denenjenigen, welche ihn vortragen, mit desto mehr Sanftmuth und Achtung Genüge zu thun suchen. Dieses Unternehmen würde sich freilich besser für einen in der Gottesgelahrheit bewanderten Mann, als für mich schicken, weil ich davon nichts verstehe. Ich, meines Theils, bin allerdings der Meinung bei einer so göttlichen, so hohen, und den menschlichen Verstand so weit übersteigenden Sache, wie diejenige Wahrheit ist, von welcher uns die Güte Gottes einiges Licht hat geben wollen, sei es sehr nötig, daß er uns noch ferner durch eine außerordentliche und besondere Gnade Beistand verleihet, damit wir dieselbe begreifen, und ihr in uns Raum geben können. Ich glaube auch nicht, daß die bloß menschlichen Mittel, hiezu im geringsten zureichend sind: denn, wenn sie dieses wären, so würden so viel seltene und vortrefliche, und mit allen natürlichen Gaben reichlich versehene Seelen in den alten Zeiten gewiß durch ihre Vernunft zu dieser Erkenntniß gelanget seyn.

 495 *

(...)

664

Ich habe von einem Richter sagen hören, welcher, wenn er irgendswo einen harten Streit zwischen dem Bartolus und Baldus, und eine unentschiedene Rechtsfrage fand, in seinem Buche an den Rand schrieb, eine Frage für einen guten Freund: das hieß, die Wahrheit wäre so verwirrt und streitig, daß er sich bey dergleichen Sache, welcher Parthey er wollte, günstig bezeigen könnte. Es fehlte ihm bloß am Witze und Geschicklichkeit, sonst hätte er allerwegen hinsetzen können, eine Frage für einen guten Freund. Die Sachwalter und Richter zu unserer Zeit finden bey allen Sachen Gelegenheit genug, sie zu drehen, wie es ihnen beliebt. Bey einer so unendlichen Wissenschaft, die auf dem Ansehen so vieler Meynungen, und auf einem so willkührlichen Gegenstande beruhet, muß nothwendig in den Urtheilen die äußerste Verwirrung entstehen. Daher ist auch kein Proceß so klar, bey welchem die Stimmen nicht getheilet sind.

665

Eine Gesellschaft urtheilet so, die andere, und sie selbst zu anderer Zeit, urtheilet ganz anders. Wir sehen hievon sehr viele Beyspiele, durch die Freyheit, welche die stattliche Gewalt und das Ansehen unserer Gesetze wunderbar beflecket, daß man es nicht bey den Urtheilen bewenden läßt, sondern von einem Richter zu den andern läuft, und über einerley Sache von verschiedenen sprechen läßt. 

Von der Freyheit der philosophischen Meynungen in Ansehung des Lasters und der Tugend ist nicht viel zu sagen: und man findet darunter vielerley Gedanken, die man schwachen Gemüthern vielmehr verbergen als bekannt machen muß. Arcesilaus sagte,585 bey der Hurerey käme es nicht darauf an, von welcher Seite und wodurch man sie begienge. Et obscoenas voluptates, si natura requirit, non genere, aut loco, aut ordine, sed forma, aetate, figura metiendas Epicurus putat. – – Ne amores quidem sanctos a sapiente alienos esse arbitrantur. – – Quaeramus ad quam vsque aetatem iuuenes amandi sint.586 Diese zween letzten stoischen Oerter, und der Vorwurf, welchen Dicäarch587 selbst dem Plato bey dieser Gelegenheit machte, zeigen, daß auch die gesündeste Weltweisheit ganz ungewöhnliche und ausschweifende Unordnungen duldet. > Dicéarque >> Dicéarque - Michaud p. 14-15


Die Gesetze haben ihr Ansehen von dem Besitze und der Gewohnheit. Es ist gefährlich, bis auf ihren ersten Ursprung zurück zu gehen. Sie werden, wie unsere Flüsse, immer größer und edler, je weiter sie fortgehen. Man verfolge sie nur aufwärts bis an ihre Quelle, so wird man nichts als eine kleine fast unkenntliche Wasserader finden, die mit der Zeit so anschwillt, und sich verstärket. Man gebe einmal auf die alten Betrachtungen Acht, die diesem berühmten, ansehnlichen, schröcklichen, und verehrungswürdigen Strome, die erste Bewegung ertheilet haben: man wird sie so leicht und kützlich finden, daß es nicht zu verwundern ist, wenn diejenigen Leute, die alles erwägen, die nichts auf eines andern Wort und auf guten Glauben annehmen, öfters in ihren Urtheilen sehr weit von den Urtheilen des Pöbels abgehen.

 Notes

↑585 - Plutarchus in Praeceptis de tuenda sanitate. Der Weltweise Arcesilaus sagt dieses daselbst in keiner andern Absicht, als um alle Arten von Unordnung auf gleiche Weise zu verwerfen. Er pflegte wider die Unzüchtigen und Wollüstlinge zu sagen, es käme nicht darauf an, von welcher Seite man es wäre, weil es, setzt Plutarch hinzu, auf einer Seite so schlimm als auf der andern wäre.

↑586 - Epikur glaubt, man hätte bey dem Liebeswerke, wenn es die Natur erforderte, nicht auf das Geschlechte, oder den Stand, sondern auf die Gestalt, auf das Alter, auf die Bildung zu sehen. Cic. Tusc. Quaest. L. V c. 33. Die Stoiker glauben, einem Weisen wären nicht einmal die heiligen Liebesverständnisse unanständig: Cic. de Finib. bon. et mal. L. III. c. 20. Wir wollen doch sehen, wie lange man die Jünglinge lieben darf. Senec. Epist. 123. zu Ende.

↑ 587 Hier sind also Weltweisen, und unter andern Plato, welchen Dicäarch mit Rechte vorwirft, daß sie die Liebe, das heißt, wie Cicero vorher ausdrücklich gesagt hat, die Knabenliebe, gebilliget haben.

>> Montaigne reprend à son compte la critique de la pédérastie grecque déjà énoncée plus haut dans la citation d´Arcésilas par Plutarque, et l´opinion de Dicéarque à propos de Platon.

 666

Es ist nicht zu verwundern, wenn Leute, welche das Urbild der Natur zum Muster nehmen, in ihren Meynungen meistens von dem gemeinen Wege abweichen. Zum Exempel, wenige unter ihnen würden die gezwungenen Bedingungen bey unsern Heirathen gebilliget haben; und die meisten haben gewollt, die Weiber sollten ohne Verbindlichkeit gemein seyn. Sie mochten mit unsern Cäremonien nichts zu thun haben. Chrysipp sagte,588 ein Weltweiser würde für ein Duzend Oliven öffentlich ein Duzend Räder, so gar ohne Hosen, schlagen. Kaum würde er dem Klisthenes gerathen haben, seine Tochter, die schöne Agariste, dem Hippoklides zu versagen,589 weil er gesehen, daß derselbe sich über einem Tische auf den Kopf gestellet, und die Füsse in die Höhe auseinander geschlagen hatte. Metrokles ließ ein wenig unvorsichtig unter dem Disputiren in Gegenwart seiner Schüler einen Wind streichen, und hielt sich aus Schaam zu Hause, bis ihn Krates590 besuchte, und nebst seinen Trostgründen selbst die Freyheit brauchte, um die Wette mit ihm zu farzen: wodurch er ihm nicht allein seinen Zweifel benahm, sondern ihn noch überdieß von der Peripatetischen Secte, welche höflicher war, und welcher er bisher angehangen hatte, zu seiner Stoischen, die weit freyer war, zog. Wir nennen es Ehrbarkeit, wenn sich einer das, was er heimlich ehrbar thun kann, nicht öffentlich zu thun untersteht; sie hingegen nannten es Thorheit, und hielten es für ein Laster, wenn einer das, was die Natur, die Gewohnheit, und unsere Begierde, von unsern Handlungen bekannt und ruchtbar machen, listig zu verschweigen, oder zu läugnen trachtet. Sie glaubten die Geheimnisse der Venus würden verächtlich gemacht, wenn man dieselben aus dem stillen Heiligthume ihres Tempels brächte, um sie den Augen des Pöbels bloß zu stellen; und man verderbte ihre Spiele, wenn man sie hinter dem Vorhange vorzöge. Die Schaam ist eine Sache von Wichtigkeit. Das Verhöhlen, das Zurückhalten, die Vorsichtigkeit, tragen etwas zu dem Werthe bey. Sie meynten, die Wollust bäthe unter der Larve der Tugend sehr sinnreich, daß man sie nicht mitten in den Strassen schänden, und nicht von dem Pöbel begaffen, und mit Füssen treten lassen sollte, und rühmte die Anständigkeit und Bequemlichkeit ihrer gewohnten Zimmer. Daher sagen einige, die öffentlichen Hurenhäuser abschaffen, hiesse nicht allein, die Hurerey durchgängig ausbreiten, sondern auch verlaufene und müßige Leute, durch die Schwierigkeit noch mehr zu diesem Laster anreizen.

667

Moechus es Aufidiae qui vir, Ceruine, fuisti
Riualis fuerat qui tuus, ille vir est.
Cur aliena placet tibi, quae tua non placet vxor?
Numquid securus non potes arrigere? 591 - Martial

Man findet von dieser Erfahrung tausend verschiedentliche Beyspiele.

Nullus in vrbe fuit tota, qui tangere vellet
Vxorem gratis, Caeciliane, tuam,
Dum licuit: sed nunc, positis custodibus, ingens
Turba fututorum est. Ingeniosus homo es.592 - Martial

Man fragte einen Weltweisen, den man eben darüber antraf, was er machte? er antwortete ganz kaltsinnig, Ich pflanze einen Menschen.593 Er erröthete so wenig, daß man ihn darüber ertappete, als wenn man ihn über dem Pflanzen einiger Kräuter angetroffen hätte.

Ein großer und gottesfürchtiger Schriftsteller594 glaubt, wie ich dafür halte aus Zärtlichkeit und Ehrbarkeit, man sähe sich so nothwendig bey dieser Handlung zum Verbergen und zur Schaamhaftigkeit gezwungen, daß er sich nicht bereden kann, daß die Cyniker bey ihren frechen Umarmungen etwas vollbracht haben. Er meynt vielmehr, sie hätten sich begnügt geile Bewegungen zu machen, um die Unverschämtheit, deren sich ihre Secte befleißigte, zu behaupten, und wären hernach bey Seite gegangen, um dasjenige zu vollbringen, wovon sie die Schaam vor her abgehalten hatte. Er wußte nicht recht, wie weit sie die Unordnung trieben. Diogenes wünschte, da er öffentlich  Masturbation begieng,595 in Gegenwart des um ihn stehenden Volkes, daß er seinen Bauch auch so durch Reiben sättigen könnte. Denjenigen, welche ihn fragten, warum er nicht lieber einen bequemem Ort, als die freye Strasse, zum Essen suchte, antwortete er, weil mich auf freyer Strasse hungert.596

668

Die Weiber, welche die Weltweisheit trieben, und sich in ihre Secte mischten, vermischten sich auch mit ihnen an allen Orten ohne Unterscheid: und Hipparchia wurde in des Krates Gesellschaft nicht anders, als mit der Bedingung aufgenommen, daß sie sich in allen Stücken nach den Gebräuchen und Gewohnheiten seiner Secte halten sollte.597 Indessen hielten doch die jetzt gedachten Weltweisen die Tugend besonders hoch, und trieben keine andere Wissenschaft, als die Sittenlehre: allein, sie eigneten der Wahl ihres Weisen die höchste Gewalt zu, und setzten sie noch über die Gesetze. Sie legten auch der Wollust keinen andern Zaum an, als die Mäßigung, und Erhaltung der Freyheit des andern.


↑ Quelle : Michel de Montaigne, Essais (Versuche) nebst des Verfassers Leben nach der Ausgabe von Pierre Coste ins Deutsche übersetzt von Johann Daniel Tietz. 3 Bände. Diogenes, Zürich, 1992

© Wunderkammer Verlag 2010.


↑⧫ Lucrèce Martial Montaigne INDEX

<> 08/01/2026

samedi 27 décembre 2025

Français

 France Français franc-parler



Un auditeur compare la situation des salariés du privé et celle des fonctionnaires. Il dénonce une injustice profonde : dans le privé, l’erreur se paie aussitôt, tandis que dans le public, les incapables qui échouent honteusement sont reclassés sans réelle sanction. Un avis de la France qui travaille, - qui relance le débat sur la responsabilité des dirigeants, l’égalité devant le travail, et les différences de traitement entre secteur public et privé en France.






L´épuisement des agriculteurs face à la pression des contrôles.


Brigitte Bardot



«Ah ! J’en aurai dit des vertes et des pas mûres...Mon franc-parler a parfois choqué les hypocrites ».

Bardot a plus fait pour les phoques, qu´une Sardine Rousseau pour la fin des maquereaux.
 
« Je dis les choses comme elles me viennent; j'use en plein de mon franc-parler » (Diderot)
Avoir son franc-parler : avoir ou prendre la liberté d'exprimer toute sa pensée





Gilbert Bécaud et Brigitte Bardot- Les marchés de Provence 1957






Gilbert Bécaud & Brigitte Bardot (1957) "Alors raconte"


↑­Encyclopédie_universelle.fr-academic  franc-parler


<> 08/01/2026


Cinna - Corneille

Complotiste romain. Cinna , Acte IV. Scène II. Monologue d´Auguste.   Trahi par son ami Cinna, l´Empereur hésite entre la vengeance et le pa...