Apologie des Raimond Sebond
Schutzschrift für Raimond von Sebonde [1]
Montaigne, Essais II, 12 - Apologie de Raymond Sebond, trad. Tietz, 1753.492 *
Die Wissenschaft ist in der Tat ein sehr nützliches und
wichtiges Stück. Diejenigen, welche sie verachten, geben ihre Dummheit genugsam
zu erkennen. Dennoch aber schätze ich sie nicht so übermäßig hoch, als einige
tun, unter welche der Philosoph Herill 2 gehört, der das höchste
Gut in ihr suchte, und behauptete, sie könnte uns weise und vergnügt machen.
Ich glaube dieses eben so wenig, als das, was andere gesagt haben, daß die
Wissenschaft die Mutter aller Tugenden sei, und daß alle Laster von der
Unwissenheit herkämen. Wenn dieses wahr ist: so braucht es einer weitläuftigen
Erklärung.
Mein Haus ist seit langer Zeit gelehrten Leuten offen, und
deswegen im Rufe gewesen. Denn mein Vater, der dasselbe fünfzig Jahre und
drüber regieret hat, und durch den neuen Eifer angefeuret wurde, mit welchem
sich der König Franciscus I. der Wissenschaften annahm, und sie in Ansehen
brachte, suchte gelehrter Leute Umgang sehr emsig und mit großen Kosten. Er
nahm sie als heilige Leute, die eine besondere Eingebung von der göttlichen
Weisheit hätten, zu sich, sammlete ihre Urteile und Reden, wie Göttersprüche,
und dieses desto ehrerbietiger und eifriger, je weniger er davon urteilen
konnte: Denn er hatte, so wenig als seine Vorfahren einige Kenntniß von den
Wissenschaften. Ich meines Teils liebe sie zwar, ich bete sie aber nicht an.
Unter andern beschenkte ihn einmal Peter Bunel, ein Mann, der zu seiner Zeit
wegen seiner Gelehrsamkeit in großem Rufe stand, als er sich nebst andern
seines gleichen, einige Tage bey meinem Vater zu Montagne aufgehalten hatte,
bey seinem Abschiede mit einem Buche, welches den Titel hat: Theologia naturalis; sive, Liber creaturarum
Magistri Raimondi de Sebonde. Weil die Italienische und Spanische Sprache
meinem Vater geläufig waren, und dieses Buch in einem gebrochenen Spanischen
mit Lateinischen Endungen geschrieben ist: so hofte er, daß sich mein Vater
dasselbe mit ganz geringer Beyhülfe zu Nutzen machen könnte, und empfahl es ihm
als ein bei den damaligen Zeitläuften, sehr nützliches und nötiges Buch. Damals
fiengen eben Luthers Neuerungen in Ansehen zu kommen, und an vielen Orten
unsern alten Glauben wankend zu machen, an. Er hatte also dabey eine sehr gute
Absicht, weil er aus vernünftigen Gründen wohl voraus sahe, daß dieses Uebel
mit der Zeit leichtlich in eine abscheuliche Gottesläugnung ausschlagen könnte.
Denn der Pöbel ist nicht fähig, die Sachen nach ihrer wahren Beschaffenheit zu beurteilen;
sondern läßt sich durch das Glück und den äußerlichen Schein dahinreissen. Wenn
man ihm also nur einmal die Freiheit verstattet, diejenigen Meinungen, vor
welche er sonst die größte Ehrfurcht gehabt hat, dergleichen diejenigen sind,
auf welchen seine Seligkeit beruhet, zu verachten und zu tadeln; und wenn man
nur einmal einige von seinen Glaubensartikeln zweifelhaft und streitig gemachet
hat: so siehet er gar bald alle übrige Stücke seines Glaubens für eben so
ungewiß an; weil sie eben so wenig Gewicht, und eben so wenig Grund, bey ihm
haben, als diejenigen, die [4] man wankend gemachet hat. Er wirft alle
Eindrücke, welche das Ansehen der Gesetze, oder die Ehrerbietung für die alten
Gebräuche bey ihm gemacht hatten, als ein tyrannisches Joch von sich:
Nam cupide conculcatur nimis ante metutum. 3 - Lucrèce
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Er geht alsdenn gleich weiter, und will gar nichts mehr annehmen, wenn er nicht seinen Bescheid und seine Stimme dazu gegeben hat. Mein Vater fand gedachtes Buch etliche Tage vor seinem Tode ungefähr unter einem Haufen anderer bey Seite gelegten Papiere, und befahl mir ihm dasselbe ins Französische zu übersetzen. Schriftsteller wie dieser, bey denen man, nichts als den Innhalt auszudrucken hat, sind sehr gut zu übersetzen: hingegen ist es ein sehr gefährliches Unternehmen, wenn sie sich der Annehmlichkeit und Zierlichkeit der Sprache sehr befleißiget haben, besonders, wenn man sie in eine schwächere Sprache bringen soll. Diese Beschäftigung war mir etwas Ungewohntes und neues: allein, zu gutem Glücke hatte ich damals nichts zu thun, und machte es, weil ich dem besten Vater, der jemals gewesen ist, nichts abschlagen konnte; so gut es mir möglich war. Er schöpfte hierüber ein besonderes Vergnügen, und befahl, daß man es drucken lassen sollte; welches auch nach seinem Tode vollzogen wurde.4
↑4 Die 1611 herausgekommene Auflage hat folgenden Titel : La Theologie Naturelle de Raymond Sebon: Traduite en François par Messire Michel, Seigneur de Montaigne, Chevalier de l'Ordre du Roy & Gentilhomme ordinaire de sa Chambre. Derniere Edition reveüe & corrigée. Sie ist in der That sehr richtig. Es herrschet in der Uebersetzung so viel Kernigkeit, Stärke, und natürliche Lebhaftigkeit, daß sie vollkommen einem Originale gleicht.
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Ich fand die Gedanken dieses Schriftstellers schön, in dem Werke selbst einen guten Zusammenhang, und das Unternehmen voll Gottesfurcht. Da sich viele Leute, und besonders das Frauenzimmer, dem wir am meisten zu dienen verbunden sind, mit dem Lesen dieses Buches beschäftigen: so habe ich öfters Gelegenheit gehabt, ihnen zu Hülfe zu kommen, und ihr Buch wider zween Haupteinwürfe, die man dagegen macht, zu vertheydigen. Der Endzweck desselben ist kühn und herzhaft. Der Verfasser unterstehet sich alle Artikel der christlichen Religion durch menschliche und natürliche Gründe wider die Atheisten zu bestättigen und fest zu setzen. Er thut dieses auch die Wahrheit zu sagen, so stattlich und so glücklich, daß es, meines Erachtens in diesem Stücke nicht besser gemacht werden kann: ja, ich glaube, daß es ihm niemand gleich gethan hat.5 Dieses Werk kam mir für einen Verfasser, dessen Name so wenig bekannt ist, und von dem wir bloß so viel wissen, daß er ein Spanier gewesen, und ungefähr vor zwei hundert Jahren zu Toulouse die Arzneykunst getrieben hat, allzu schön und gelehrt für. Ich erkundigte mich daher einmal bey dem Adrian Turnebus, der alles wußte, was es mit diesem Buche für eine Beschaffenheit hätte. Er antwortete mir, seiner Meynung nach wäre es eine Quintessenz aus dem H. Thomas von Aquino. Denn, in der That dieser mit einer so unendlichen Gelehrsamkeit, und wundernswürdigen Tiefsinnigkeit begabte Geist war allein zu dergleichen Gedanken fähig. So viel ist gewiß, daß der Verfasser und Erfinder, er sey wer er wolle, (indessen kann man dem Sebonde dieses Werk ohne eine wichtigere Ursache nicht mit Grunde absprechen), ein überaus geschickter Mann gewesen ist, und viele trefliche Eigenschaften besessen hat.
Der erste Vorwurf, den man seinem Werke macht, ist dieser, die Christen thäten sich selbst Schaden, wenn sie ihre Religion durch menschliche Gründe unterstützen wollten, weil diese allein durch den Glauben und durch einen besondern Beystand der göttlichen Gnade begriffen würde. Dieser Einwurf scheinet von einem heiligen Eyfer her zu kommen. Aus dieser Ursache müssen wir denenjenigen, welche ihn vortragen, mit desto mehr Sanftmuth und Achtung Genüge zu thun suchen. Dieses Unternehmen würde sich freilich besser für einen in der Gottesgelahrheit bewanderten Mann, als für mich schicken, weil ich davon nichts verstehe. Ich, meines Theils, bin allerdings der Meinung bei einer so göttlichen, so hohen, und den menschlichen Verstand so weit übersteigenden Sache, wie diejenige Wahrheit ist, von welcher uns die Güte Gottes einiges Licht hat geben wollen, sei es sehr nötig, daß er uns noch ferner durch eine außerordentliche und besondere Gnade Beistand verleihet, damit wir dieselbe begreifen, und ihr in uns Raum geben können. Ich glaube auch nicht, daß die bloß menschlichen Mittel, hiezu im geringsten zureichend sind: denn, wenn sie dieses wären, so würden so viel seltene und vortrefliche, und mit allen natürlichen Gaben reichlich versehene Seelen in den alten Zeiten gewiß durch ihre Vernunft zu dieser Erkenntniß gelanget seyn.
495 *
(...)
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Ich habe von einem Richter sagen hören, welcher, wenn er
irgendswo einen harten Streit zwischen dem Bartolus und Baldus, und eine
unentschiedene Rechtsfrage fand, in seinem Buche an den Rand schrieb, eine
Frage für einen guten Freund: das hieß, die Wahrheit wäre so verwirrt und
streitig, daß er sich bey dergleichen Sache, welcher Parthey er wollte, günstig
bezeigen könnte. Es fehlte ihm bloß am Witze und Geschicklichkeit, sonst hätte
er allerwegen hinsetzen können, eine Frage für einen guten Freund. Die
Sachwalter und Richter zu unserer Zeit finden bey allen Sachen Gelegenheit
genug, sie zu drehen, wie es ihnen beliebt. Bey einer so unendlichen
Wissenschaft, die auf dem Ansehen so vieler Meynungen, und auf einem so
willkührlichen Gegenstande beruhet, muß nothwendig in den Urtheilen die
äußerste Verwirrung entstehen. Daher ist auch kein Proceß so klar, bey welchem
die Stimmen nicht getheilet sind.
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Eine Gesellschaft urtheilet so, die andere, und sie selbst zu anderer Zeit, urtheilet ganz anders. Wir sehen hievon sehr viele Beyspiele, durch die Freyheit, welche die stattliche Gewalt und das Ansehen unserer Gesetze wunderbar beflecket, daß man es nicht bey den Urtheilen bewenden läßt, sondern von einem Richter zu den andern läuft, und über einerley Sache von verschiedenen sprechen läßt.
Von der Freyheit der philosophischen Meynungen in
Ansehung des Lasters und der Tugend ist nicht viel zu sagen: und man findet
darunter vielerley Gedanken, die man schwachen Gemüthern vielmehr verbergen als
bekannt machen muß. Arcesilaus sagte,585 bey der Hurerey käme es
nicht darauf an, von welcher Seite und wodurch man sie begienge. Et obscoenas voluptates, si natura requirit,
non genere, aut loco, aut ordine, sed forma, aetate, figura metiendas Epicurus
putat. – – Ne amores quidem sanctos a
sapiente alienos esse arbitrantur. – – Quaeramus
ad quam vsque aetatem iuuenes amandi sint.586 Diese zween
letzten stoischen Oerter, und der Vorwurf, welchen Dicäarch587
selbst dem Plato bey dieser Gelegenheit machte, zeigen, daß auch die gesündeste
Weltweisheit ganz ungewöhnliche und ausschweifende Unordnungen duldet. >
Dicéarque >> Dicéarque - Michaud p. 14-15
Die Gesetze haben ihr Ansehen von dem Besitze und der Gewohnheit. Es ist gefährlich, bis auf ihren ersten Ursprung zurück zu gehen. Sie werden, wie unsere Flüsse, immer größer und edler, je weiter sie fortgehen. Man verfolge sie nur aufwärts bis an ihre Quelle, so wird man nichts als eine kleine fast unkenntliche Wasserader finden, die mit der Zeit so anschwillt, und sich verstärket. Man gebe einmal auf die alten Betrachtungen Acht, die diesem berühmten, ansehnlichen, schröcklichen, und verehrungswürdigen Strome, die erste Bewegung ertheilet haben: man wird sie so leicht und kützlich finden, daß es nicht zu verwundern ist, wenn diejenigen Leute, die alles erwägen, die nichts auf eines andern Wort und auf guten Glauben annehmen, öfters in ihren Urtheilen sehr weit von den Urtheilen des Pöbels abgehen.
Notes
↑585 - Plutarchus in Praeceptis de tuenda sanitate. Der Weltweise Arcesilaus sagt dieses daselbst in keiner andern Absicht, als um alle Arten von Unordnung auf gleiche Weise zu verwerfen. Er pflegte wider die Unzüchtigen und Wollüstlinge zu sagen, es käme nicht darauf an, von welcher Seite man es wäre, weil es, setzt Plutarch hinzu, auf einer Seite so schlimm als auf der andern wäre.
↑586 - Epikur glaubt, man hätte bey dem Liebeswerke, wenn es die Natur erforderte, nicht auf das Geschlechte, oder den Stand, sondern auf die Gestalt, auf das Alter, auf die Bildung zu sehen. Cic. Tusc. Quaest. L. V c. 33. Die Stoiker glauben, einem Weisen wären nicht einmal die heiligen Liebesverständnisse unanständig: Cic. de Finib. bon. et mal. L. III. c. 20. Wir wollen doch sehen, wie lange man die Jünglinge lieben darf. Senec. Epist. 123. zu Ende.
↑ 587 - Hier sind also Weltweisen, und unter andern Plato, welchen Dicäarch mit Rechte vorwirft, daß sie die Liebe, das heißt, wie Cicero vorher ausdrücklich gesagt hat, die Knabenliebe, gebilliget haben.
>> Montaigne reprend à son compte la critique de la pédérastie grecque déjà énoncée plus haut dans la citation d´Arcésilas par Plutarque, et l´opinion de Dicéarque à propos de Platon.
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Es ist nicht zu verwundern, wenn Leute, welche das Urbild
der Natur zum Muster nehmen, in ihren Meynungen meistens von dem gemeinen Wege
abweichen. Zum Exempel, wenige unter ihnen würden die gezwungenen Bedingungen
bey unsern Heirathen gebilliget haben; und die meisten haben gewollt, die
Weiber sollten ohne Verbindlichkeit gemein seyn. Sie mochten mit unsern
Cäremonien nichts zu thun haben. Chrysipp sagte,588 ein Weltweiser
würde für ein Duzend Oliven öffentlich ein Duzend Räder, so gar ohne Hosen,
schlagen. Kaum würde er dem Klisthenes gerathen haben, seine Tochter, die
schöne Agariste, dem Hippoklides zu versagen,589 weil er gesehen,
daß derselbe sich über einem Tische auf den Kopf gestellet, und die Füsse in
die Höhe auseinander geschlagen hatte. Metrokles ließ ein wenig unvorsichtig
unter dem Disputiren in Gegenwart seiner Schüler einen Wind streichen, und
hielt sich aus Schaam zu Hause, bis ihn Krates590 besuchte, und
nebst seinen Trostgründen selbst die Freyheit brauchte, um die Wette mit ihm zu
farzen: wodurch er ihm nicht allein seinen Zweifel benahm, sondern ihn noch
überdieß von der Peripatetischen Secte, welche höflicher war, und welcher er
bisher angehangen hatte, zu seiner Stoischen, die weit freyer war, zog. Wir
nennen es Ehrbarkeit, wenn sich einer das, was er heimlich ehrbar thun kann,
nicht öffentlich zu thun untersteht; sie hingegen nannten es Thorheit, und
hielten es für ein Laster, wenn einer das, was die Natur, die Gewohnheit, und
unsere Begierde, von unsern Handlungen bekannt und ruchtbar machen, listig zu
verschweigen, oder zu läugnen trachtet. Sie glaubten die Geheimnisse der Venus
würden verächtlich gemacht, wenn man dieselben aus dem stillen Heiligthume
ihres Tempels brächte, um sie den Augen des Pöbels bloß zu stellen; und man
verderbte ihre Spiele, wenn man sie hinter dem Vorhange vorzöge. Die Schaam ist
eine Sache von Wichtigkeit. Das Verhöhlen, das Zurückhalten, die
Vorsichtigkeit, tragen etwas zu dem Werthe bey. Sie meynten, die Wollust bäthe unter
der Larve der Tugend sehr sinnreich, daß man sie nicht mitten in den Strassen
schänden, und nicht von dem Pöbel begaffen, und mit Füssen treten lassen
sollte, und rühmte die Anständigkeit und Bequemlichkeit ihrer gewohnten Zimmer.
Daher sagen einige, die öffentlichen Hurenhäuser abschaffen, hiesse nicht
allein, die Hurerey durchgängig ausbreiten, sondern auch verlaufene und müßige
Leute, durch die Schwierigkeit noch mehr zu diesem Laster anreizen.
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Man fragte einen Weltweisen, den man eben darüber antraf,
was er machte? er antwortete ganz kaltsinnig, Ich pflanze einen Menschen.593
Er erröthete so wenig, daß man ihn darüber ertappete, als wenn man ihn über dem
Pflanzen einiger Kräuter angetroffen hätte.
Ein großer und gottesfürchtiger Schriftsteller594
glaubt, wie ich dafür halte aus Zärtlichkeit und Ehrbarkeit, man sähe sich so
nothwendig bey dieser Handlung zum Verbergen und zur Schaamhaftigkeit
gezwungen, daß er sich nicht bereden kann, daß die Cyniker bey ihren frechen
Umarmungen etwas vollbracht haben. Er meynt vielmehr, sie hätten sich begnügt
geile Bewegungen zu machen, um die Unverschämtheit, deren sich ihre Secte
befleißigte, zu behaupten, und wären hernach bey Seite gegangen, um dasjenige
zu vollbringen, wovon sie die Schaam vor her abgehalten hatte. Er wußte nicht
recht, wie weit sie die Unordnung trieben. Diogenes wünschte, da er öffentlich Masturbation begieng,595 in
Gegenwart des um ihn stehenden Volkes, daß er seinen Bauch auch so durch Reiben
sättigen könnte. Denjenigen, welche ihn fragten, warum er nicht lieber einen
bequemem Ort, als die freye Strasse, zum Essen suchte, antwortete er, weil mich
auf freyer Strasse hungert.596
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Die Weiber, welche die Weltweisheit trieben, und sich in
ihre Secte mischten, vermischten sich auch mit ihnen an allen Orten ohne
Unterscheid: und Hipparchia wurde in des Krates Gesellschaft nicht anders, als
mit der Bedingung aufgenommen, daß sie sich in allen Stücken nach den
Gebräuchen und Gewohnheiten seiner Secte halten sollte.597 Indessen
hielten doch die jetzt gedachten Weltweisen die Tugend besonders hoch, und
trieben keine andere Wissenschaft, als die Sittenlehre: allein, sie eigneten
der Wahl ihres Weisen die höchste Gewalt zu, und setzten sie noch über die
Gesetze. Sie legten auch
der Wollust keinen andern Zaum an, als die Mäßigung, und Erhaltung der Freyheit
des andern.
↑ Quelle : Michel de Montaigne, Essais (Versuche) nebst des Verfassers Leben nach der Ausgabe von Pierre Coste ins Deutsche übersetzt von Johann Daniel Tietz. 3 Bände. Diogenes, Zürich, 1992
↑⧫ Lucrèce Martial Montaigne INDEX
<> 08/01/2026


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